Der Mobile-First-Index kommt – muss ich mich warm anziehen?

Egal wo man sich Branchennews holt, jeder berichtet über den Google Mobile First Index. Viele Webseitenbetreiber nehmen es wahr, doch eine Frage bleibt unbeantwortet. Was muss ich machen, wie muss ich mich verhalten, muss ich mich warm anziehen?

Google ändert die Indexierung

Jeder hat schon mal vom Google Algorithmus gehört. Wie wir alle wissen gibt es ca. 200 (wenn nicht sogar mehr) Kriterien, die Google in Erwägung zieht, um das Ranking einer Webseite in der organischen Suche zu bestimmen. Hier geht man vor allem nach dem Prinzip welche Webseite den optimalen SEO-Kriterien entspricht und eine ganz klare Fokussierung auf die User Experience hat.

Desktop vs. Mobile

Nun denn, in den letzten 5 Jahren hat sich einiges getan. Sei es noch drum das in den Jahren bis 2013 das dominierende Traffic-Gerät der Desktop-PC war, muss man jetzt ganz klar feststellen, dass sich das Blatt um 180 Grad gewendet hat. Ganz klar dominiert ungefähr seit den letzten 1-2 Jahren der mobile Traffic von mobilen Endgeräten.
Bisher wurde von Google in erster Linie die Desktop-Version der jeweiligen Website als Indexierungsgrundlage verwendet. Schon lange gibt es keine Mobilseiten (Beispiel: m.website.de) mehr wie man sie kennengelernt hat – die großen Marketplaces beispielsweise leiten mobile Anfragen auf die App weiter. Für den Großteil der Webseiten gilt jedoch parallel zur Webseite diese auch für mobile Endgeräte zugänglich zu machen. Nachdem Smartphones und Co. eine viel geringere Auflösung haben als Desktop-PCs, wird seit ungefähr 2015 ganz klar empfohlen eine Webseite mit einem Responsive-Design zur Verfügung zu stellen. Im Grunde wird die bestehende Webseite nur an die kleinere Auflösung angepasst. Das Prinzip der vorrangigen Indexierung der Desktop-Version soll sich nun bald ändern mit Orientierung an die mobile Website-Version. Um so mehr kann man jetzt sagen, dass die Qualität der mobilen Seite in den Fokus tritt und dies ein ganz klarer Aufruf ist Inhalte für mobile Endgeräte zugänglich zu machen.

Wann kommt er, der Mobile First Index?

Der von Google bereits initiierte Roll-out ist in vollem Gange. Man kann von einem Mega-Projekt ausgehen, demnach wird der Prozess entsprechend nicht schlagartig von einem Tag auf den anderen kommen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass in den nächsten Monaten die Google Crawler für mobile Webseiten die bisherigen Crawler der Desktop-Versionen ablösen werden.
Terminlich schaut es so aus, dass Google die Vollendung dieser Umstellung bereits für das Jahr 2017 angekündigt hatte und nun aufgrund der Dimensionen dieser Umstellung die Einführung auf das 2018 verschoben hat. Laut Google-Webmaster-Analyst Gary Illyes ist eine reine Mobile-First-Indexierung sogar erst in einigen Jahren denkbar. Die reine Indexierung könnte demnach noch Jahre brauchen bis zur Einführung. (Quelle: Searchmetrics).
Gründe für diese Verzögerung sind lauf Expertenmeinungen auch der Unterschied der Crawling-Eigenschaften. Man kann das Crawlen der Desktop-Version nicht 1:1 mit dem Crawlen der Mobile-Version vergleichen. Schliesslich haben mobile Subdomains weit aus weniger externe und interne Verlinkungen als Desktop-Versionen. Selbst bei Responsive-Websites gibt es Verlinkungen und Inhalte, die für mobile Endgeräte aufgrund der Größe und grafischen Darstellung nicht angezeigt werden bzw. ausgeblendet werden. Man kann deshalb von einer identischen Darstellung von Responsive-Websites als Desktop und Mobile nicht ausgehen. Google selbst schaut sich an welche Veränderungen im Crawling-Prozess notwendig sind. Inwieweit diese Indexierung dann tatsächlich wichtig wird bzw. welche Gewichtung der neue Mobile First Index mit sich bringen wird, kann bislang keiner vorhersehen. Es gilt wie bei vielen Neuerungen von Google: Abwarten und analysieren.

Was muss ich als Webmaster beachten

Folgende Fragen muss sich ein Webmaster stellen:
  • Ist meine Website für mobile Endgeräte zugänglich und optimiert?
  • Besitze ich eine mobile Subdomain?
  • Habe ich eine Responsive-Seite, die Inhalte für mobile Endgeräte ausblendet?

Man kann ganz klar sagen: Websites, die ein auf mobile Endgeräte optimiertes Responsive-Design besitzen und für Mobile (bis auf wenige Kleinigkeiten) keine ausgeblendete Inhalte besitzen, müssen sich bei dieser Umstellung keine großen Sorgen machen. Bei der fortlaufenden Optimierung der Website für die organische Suche sollte der Faktor „Mobile First“ das Hauptmerkmal besitzen und somit auf das Ausblenden wichtiger Inhalte für die mobile Website verzichtet werden.

Welcher Webmaster sollte/muss handeln?

Websites mit einer mobilen Subdomain müssen bedenken, dass sie primär in Konflikt mit dem neuen Mobile-First-Index kommen könnten. Wie bereits ein paar Zeilen zuvor erläutert, sind mobile Subdomains nicht mehr zeitgemäß. Eigentlich waren sie der erste Schritt ein Angebot für internetfähige Smartphones zu schaffen. Zeitweise gab es Unternehmen, die für Online Shops oder Webseiten eine mobile Version als Zusatz angeboten haben. Hier wurde im Grunde der Inhalt der Desktop-Version auf eine separate mobile Website (erreichbar über eine Subdomain) gespiegelt, um die technische Barriere, die eine komfortable Visualisierung auf mobilen Endgeräten nicht erlaubte, zu umgehen.

Jeder Webmaster steht bestimmt auch vor dem Dilemma: Wie kann ich meine Inhalte auch auf mobilen Endgeräten darstellen, ohne die Smartphone-Ansicht zu überladen? Schließlich ist klar, dass Inhalte auf dem Desktop anders konsumiert und wahrgenommen werden als auf mobilen Endgeräten. Durch die höhere Auflösung geht man davon aus das die Recherche auf Desktop-PCs intensiver ist und auf Smartphone die Informationsbeschaffung aufgrund der Bildschirmgröße gezielter erfolgen soll. Gezielter bedeutet, dass man beispielsweise wenig geklickte oder weniger wahrgenommene Inhalte mit diversen Tools (Lightbox, Layer oder Akkordeon) zwar verfügbar macht, aber diese nicht bei der Informationsbeschaffung anderer Inhalte im Weg stehen.

Analyse der Customer Journey – analysieren was meine User suchen und benötigen

Um mich bestens auf den Mobile First Index und der optimierten Visualisierung meiner Inhalte vorzubereiten, ist es wichtig was die User auf meiner eigenen Website suchen und finden möchten. Dieser Punkt werden wir jetzt nicht ausführlicher beschreiben, jedoch sollte die kurze Erwähnung als Denkzettel dafür stehen, dass man vor allem durch Analyse der Customer Journey weis wie man sich bei der Verschlankung der mobilen Inhalte verhalten sollte.

Meine SEO Tipps für den kommenden Mobile-First-Index

Die Erfahrung zeigt, dass im Grunde alle bisherigen SEO-Kriterien weiterhin wichtig bleiben. Nur sollte eine kleine Optimierung in Richtung Mobile-First-Index geschehen, falls man diese noch nicht gemacht hat. Google selbst gibt einige Punkte vor, die vor einer Umstellung auf den Mobile-Index relevant sein könnten. Wir haben das etwas erweitert:

  • Falls ihr noch separate Mobile Websites auf Subdomains besitzt, empfehlen wir dringend diese auf ein Responsive Design umzustellen
  • Wichtige Inhalte sollten auch in der mobilen Version verfügbar sein. Weiterhin wichtig ist die hohe Qualität (was natürlich auch vor der Index-Änderung notwendig ist/war)
  • Strukturierte Daten und Meta-Daten bleiben ein wichtiger Punkt. Meta-Daten sind schon immer das erste Sprachrohr nach aussen. Strukturierte Daten helfen euch euren Kunden mehr Zusatzinformationen in den SERPs zur Verfügung zu stellen
  • Bei separaten Subdomains Canonical Tags nicht vergessen. Unabhängig von der Index-Änderung solltet ihr die Canonicals bereits jetzt integrieren bzw. integriert haben. Google indexiert jede URL als eigenes Suchergebnis. Doppelte Inhalte sind innerhalb der eigenen Domain auch ein schlechtes Pflaster. Mit Canonical-Elemente signalisiert ihr Google, dass es von der angegebenen URL eine gespiegelte Version gibt
  • Achtet auf die Geschwindigkeit eurer Websiten für mobile Endgeräte – Dazu zählt die Komprimierung eurer Bilder und vor allem eine generelle Optimierung eures Codes. Mehr dazu könnt ihr natürlich bei Google selbst herausfinden, Google Page Speed Insights
  • Holt euch die wichtigsten Informationen aus eurer Search Console – hier bekommt ihr die besten Infos was auf eurer Website passiert und vor allem was der Crawler bei der Indexierung eurer Webseite für Ergebnisse erzielt
  • Setzt auf AMP (Accelerated Mobile Page) – hierzu gibt es bereits viele Plugins oder neue Erkenntnisse